Bioland "Im Fokus"

Süßlupine "Die heimische Eiweißquelle"  

Als heimische Alternative zu Soja werden die eiweißreichen Samen schon lange gehandelt. Doch Produkte aus den wertvollen Lupinen erobern nur langsam den Markt.

2016 06 24 Lupinenfeld

Die Saat der bunt blühenden Lupinen wird nicht erst seit gestern gegessen.Bereits 2000 vor Christus war den Ägyptern die Lupine ebenso wichtig wie Getreide. In den Mittelmeerländern wird sie in 3000 Jahre alten Schriften erwähnt. Unsere Vorfahren wussten allerdings um die bitteren und schlecht verdaulichen Inhaltsstoffe, die Alkaloide. Sie wuschen die Samen deshalb in Meerwasser, damit sie bekömmlich wurden.

Heute ist diese aufwendige Prozedur nicht mehr nötig. Den Züchtern ist es gelungen, alkaloidarme Sorten heranzuziehen, die als Süßlupinen bezeichnet werden. Drei Arten wachsen bei uns auf dem Acker: Gelbe Lupine, Weiße Lupine und Blaue Süßlupine. Botanisch ist die Lupine eine Leguminose wie die Erbse und die Bohne. Nach der Blüte hängen an den Stängeln drei bis sieben Zentimeter lange Schoten, die nierenförmige Samen beherbergen. Sobald die Schoten gut trocken sind, können die Lupinensamen mit dem Mähdrescher geerntet werden.   

Lupinenschoten 2

Wertvolles Eiweiß

Interessant an der Lupine ist vor allem ihr hoher Gehalt an Eiweiß. Mit bis zu 40 Prozent Protein kommt der Gehalt locker an den der Sojabohne heran. Es enthält alle essenziellen Aminosäuren, die der Körper dem Essen entnehmen muss. Die Samen liefern außerdem die Vitamine A und B1 sowie Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Verwertbares Vitamin B12 ist, anders als in einigen Veröffentlichungen behauptet, in Lupinensamen allerdings nicht enthalten. Gesundheitsfördernde Effekte sind von den Ballaststoffen der Lupine zu erwarten, die etwa 15 Prozent des Samens ausmachen. Sie fördern die Darmpassage und beugen Darmkrebs vor. Auch eine cholesterinsenkende Wirkung der Lupinenballaststoffe konnte in Studien nachgewiesen werden. Neben den Ballaststoffen in der Schale steuert offenbar auch das Eiweiß der Lupine seinen Anteil zur cholesterinsenkenden Wirkung bei, wie eine Untersuchung an der Universität Halle zeigte. Der Fettanteil der Lupinensamen ist mit vier bis sieben Prozent deutlich niedriger als der von Soja, aber ebenfalls reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Lupinen halten außerdem den Blutzuckeranstieg niedrig, da sie kaum direkt verwertbare Kohlenhydrate enthalten. Diese Effekte können aber nur genutzt werden, wenn der Samen als Ganzes oder als Mehl verzehrt wird. Proteinisolate aus Lupinen enthalten weder Ballaststoffe noch Kohlenhydrate. Der Gehalt an Harnsäure bildenden Purinen ist bei Lupinen sehr gering, und sie sind cholesterinfrei.

Vorsicht bei Allergien

Die Hoffnung, dass Lupinen weniger allergisches Potenzial zeigen als Soja, hat sich allerdings nicht bestätigt. 

Gut für den Boden Auch aus ökologischer Sicht ist die heimische Lupine spannend. Sie stellt einen ernstzunehmenden Ersatz für tropisches Soja dar, das durch Regenwaldrodungen und den Einsatz von Gentechnik zunehmend in Verruf kommt. Lupinenpflanzen sind anspruchslos und vertragen Frost und Hitze, da sie mit ihren meterlangen Pfahlwurzeln Nährstoffe und Wasser aus großen Tiefen pumpen. Da die an den Wurzeln sitzenden Knöllchenbakterien Stickstoff binden, gilt die Lupine als Bodenverbesserer.

Gesundheit

Süßlupinen enthalten wertvolles Eiweiß, reichlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Bedenkliche Alkaloide wurden weitgehend weggezüchtet.

Eignung

Produkte mit den ganzen Samen sind besser als solche aus Isolaten.

Ökologie

Lupinen sind ein heimischer Ersatz für ökologisch bedenkliches Import Soja und als Leguminose gut für die Böden.

Quelle: Anschrift der Verfasserin: Dipl.-Chem. Susanne Donner Gubener Str. 25, D-10243 Berlin